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Kerstin Hoffmann-Wagner

Ich bin seit 2000 im Veranstaltungsbereich tätig. Bis 2012 war ich Senior-Referentin in einem Event Team eines großen Frankfurter Finanzinstituts. Seitdem bin ich als selbstständige Beraterin für nachhaltige und inklusive Events, zertifizierte Trainerin, Dozentin und Buchautorin aktiv. 


Women in events D.A.CH.: Was genau machst Du heute beruflich im Veranstaltungsbereich?

Kerstin: Seit genau 10 Jahren bin ich selbstständig und berate und begleite Unternehmen, Verbände und Institutionen dabei, ihre eigenen Veranstaltungen nachhaltig und inklusiv zu gestalten. Neben den Themen Nachhaltigkeit und Inklusion bei Veranstaltungen bildet zeitgemäße Eventkommunikation einen weiteren Schwerpunkt meiner Tätigkeit.

Wie bist Du dahin gekommen, was Du heute machst? Hast Du eine gezielte Ausbildung absolviert (wenn ja, welche) oder bist Du Quereinsteigerin?

Ich bin tatsächlich die klassische Quereinsteigerin, nachdem ich in meinem “ersten Berufsleben” als Diplom-Bibliothekarin an wissenschaftlichen Bibliotheken gearbeitet habe. Irgendwann hat mir das aber nicht mehr gereicht und ich habe berufsbegleitend “Kulturmanagement” studiert. Dadurch bin ich dann mit dem Thema Planung und Organisation von (Groß-)Veranstaltungen, natürlich in erster Linie mit kulturellem Schwerpunkt, in Kontakt gekommen und durfte sogar ein Seminar bei den documenta-Organisatoren besuchen.

Warum hast Du Dich seinerzeit für diesen Beruf und diesen Weg entschieden?

Durch das oben erwähnte Studium bin ich mit dem Thema Veranstaltungsorganisation in Berührung gekommen und das hat mich sofort begeistert. Die Tatsache, ein großes Ereignis mitplanen und gestalten zu können und dann noch die Fäden in der Organisation in den Händen zu halten, hat mich von Anfang an fasziniert. 

Genau zum Zeitpunkt meines Examens ist dann auch noch im Eventmanagement des Unternehmens, in dem ich zu der Zeit als Bibliothekarin tätig war, eine Referentinnen-Stelle frei geworden, so dass für mich schnell klar war, wohin meine berufliche Reise geht. Ich bin dann 12 Jahre im dortigen Eventmanagement geblieben und habe dort all meine praktischen Erfahrungen sammeln können, die ich heute als Basis in meiner Tätigkeit brauche.

Was begeistert Dich an Deinem Beruf?

Als ich noch im aktiven Eventmanagement tätig war, war es natürlich das Mitarbeiten an unvergesslichen Ereignissen, das Koordinieren und Vernetzen, das Umsetzen auch von trockenen Themen wie Hauptversammlungen in anspruchsvolle Eventprojekte, die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Menschen und Gewerken – all das hat mich immer begeistert.

Heute, in meiner Rolle als Beraterin und Trainerin, versuche ich genau diese Begeisterung an meine Kunden weiterzugeben und sie für ihre eigenen Projekte zu “entflammen”. Und ich möchte ihnen dabei zeigen, wie wichtig es ist, zeitgemäße Themen einzubinden.

Welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen sind für Deinen Beruf besonders wichtig und wie hast Du Dir diese angeeignet?

Man sollte definitiv strukturiert arbeiten können, denn als Projektleitung verlassen sich alle anderen Beteiligten darauf, dass man stets den Überblick hat – über organisatorische, aber auch finanzielle Fragen. Aber man braucht definitiv auch Fantasie und Vorstellungsvermögen, sich nur mit Papier und einer leeren Halle unvergessliche Events vorstellen zu können.

All das kann man sicherlich lernen. Aber das strukturierte Arbeiten und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und auch in stressigen Zeiten die Ruhe zu bewahren, sollte man schon auch bis zu einem gewissen Grad mitbringen.

Welche Eigenschaften sind für „Neue“ in unserer Branche von Vorteil?

Wie schon erwähnt: Strukturiertes Arbeiten, Vorstellungsvermögen, die Lust auf Verantwortung sind für mich sehr wichtig.

Wie hat sich für Dich der Veranstaltungsbereich oder auch Dein direkter Bereich in den letzten 5-10 Jahren verändert?

Ich würde den Blick eigentlich gar nicht auf die Veränderungen der letzten 5-10 Jahre richten, sondern auf die Zeit vor Corona und seit Beginn der Pandemie. Vor Corona hat sich über viele Jahre nicht viel im Veranstaltungsbereich verändert: Wir haben lange Zeit ein “höher, schneller, weiter und schöner” verfolgt, haben Themen wie Nachhaltigkeit oder auch Digitalisierung, wenn überhaupt, dann sehr zurückhaltend und skeptisch in unsere Arbeit gelassen, Vernetzung innerhalb der Branche war für viele Akteure kaum ein Thema.

Seit Corona haben viele Themen im Veranstaltungsbereich wahnsinnig an Tempo aufgenommen: Wir waren plötzlich gezwungen, uns mit Digitalisierung in Form von Online-Formaten zu beschäftigen, Themen wie Diversität oder auch Nachhaltigkeit wurden plötzlich und endlich als wichtig und unerlässlich wahrgenommen und auch der Blick auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppen ist heute ein anderer und bewussterer. Und wir stellen immer wieder fest, wie wichtig und fruchtbar die Vernetzung innerhalb unserer Branche sein kann.

Das Rad lässt sich nun nicht mehr zurückdrehen und wir werden jetzt mit Hochdruck lernen müssen, all diese Themen ganz selbstverständlich in unsere tägliche Arbeit einzubinden.

Wie schätzt Du die aktuelle Lage in unserer Branche ein, auf was müssen sich Kolleginnen und Kollgen einstellen, die jetzt in unserer Branche starten?

Auf eine wahnsinnig spannende Zeit in einem Veranstaltungsbereich, in dem so viel im Umbruch ist, wie lange schon nicht mehr. Es ist gerade jetzt spannend, in der Branche tätig zu sein oder hinein zu starten und viele Veränderungen mitgestalten zu können.

Man hört immer wieder, dass Berufsstarter mehr Wert z.B. auf Aspekte der Work-Life-Balance legen. Liegen die Ansprüche und Vorstellungen zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen zu weit auseinander?

Ja, das sehe ich auch nicht selten so und ja, bei nicht wenigen Unternehmen stoßen dadurch Welten aufeinander. Wie so oft, liegt der Weg für mich irgendwo in der Mitte. Unternehmen müssen sich z.B. mit Themen wie New Work beschäftigen, durch die alt hergebrachte Arbeitsmodelle radikal auf den Prüfstand gestellt und durch zeitgemäße Formen der Arbeit, aber auch durch die Verteilung von Verantwortung, ersetzt oder weiterentwickelt werden. Das erfordert Mut und Entschlossenheit.

Auf der anderen Seite ist die Veranstaltungsplanung ein Bereich, in dem man, gerade je näher das Veranstaltungsdatum rückt, eine gewisse Flexibilität mitbringen muss. Aber es muss hierbei eben viel um Übertragung von Verantwortung und um Ausgleich von zeitweiser Mehrarbeit gehen, also um ein faires Miteinander, das im Interesse von allen ist.

Wie sollte sich unsere Branche entwickeln, damit sie für Nachwuchskräfte attraktiv bleibt?

Es geht für mich hauptsächlich um die Offenheit und Bereitschaft, sich zeitgemäß aufzustellen, Vertrauen zu schaffen, Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen und sich dabei die Begeisterung zu bewahren, gemeinsam eindrückliche Erlebnisse schaffen zu können. 

Es gibt so viele spannende Bereiche in unserer Branche, in denen man das eigene Talent einbringen kann. Aber wir müssen eben auch mit der Zeit gehen.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, liebe Kerstin!
Team Women in events D.A.CH.

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